Die Aromaten in der Parfümerie: Lavendel, Minze, Basilikum und frische Noten

Auch wenn sie vor allem an die Gastronomie erinnern, gehören Aromaten (Kräuter) ebenfalls zu den Rohstoffen, die in der Komposition von Parfüms verwendet werden. Sie sind stets in Parfüms präsent, die zur olfaktorischen Familie Fougère gehören.
In der Parfümerie sind Aromaten frische, dynamisierende Rohstoffe und werden oft mit Pflegeritualen assoziiert.
Die Aromaten werden in drei große Gruppen eingeteilt:
- Die Lavendel-Noten
- Die Minz-Noten
- Die Anis-Noten
Die Aromaten mit Lavendel-Noten
Bestimmte Aromaten besitzen Lavendel-Noten. Dies ist insbesondere bei folgenden Rohstoffen der Fall: Lavendel, Lavandin, Rosmarin, Thymian, Salbei und Beifuß.
Der Lavendel
Ursprünge: Südfrankreich ist der Hauptproduzent von Lavendel. Der Begriff „Lavendel“ kommt vom lateinischen „lavare“, was „waschen“ bedeutet. Es gibt viele verschiedene Lavendelsorten, wie Lavandula stoechas, Lavandula officinalis, Lavandula spica. Lavendel ist ein Symbol für Reinheit und Ruhe.
Verarbeitung und Herstellung: Es ist möglich, Lavendelessenz durch Wasserdampfdestillation zu gewinnen oder Lavendel-Absolue durch Extraktion mit flüchtigen Lösungsmitteln.
Olfaktorische Beschreibung: Lavendel besitzt einen krautigen, kampferartigen, medizinischen und frischen Duft. Er verströmt zudem eine Bergamotte-Note, leicht blumig, mit holzigen Tönen. Es handelt sich um eine kraftvolle Note, die an Gärten, den Sommer und den Süden erinnert.
Manche Menschen finden auch eine Vintage-Seite an ihm, da er dazu neigt, an Rasierseife, klassische Eaux de Cologne oder an Großmutters Kleiderschränke zu erinnern, in denen man kleine Lavendelsäckchen platzierte, um die Wäsche zu parfümieren.
Es ist anzumerken, dass der Prozentsatz an Linalyl ihm seine olfaktorische Qualität verleiht.
Verwendung: Traditionell mit der Familie der Fougères verbunden, ist Lavendel auch typisch für Eaux de Cologne oder Herrenparfüms, aber man findet ihn auch in der Komposition von Chypre- oder orientalischen Parfüms und mittlerweile in bestimmten Damendüften.
Hauptbestandteile: Linalool, Linalylacetat, Geraniol, Cumarin, Kampfer und Thymol.
Parfüms, die Lavendel enthalten:
- Jicky, Shalimar und Mon Guerlain von Guerlain
- Mouchoir de Monsieur von Guerlain
- Pour Un Homme von Caron
- Azzaro Pour Homme
- Kouros von YSL
- Eternity for Men von CK
- Brin de Réglisse von Hermès
- Bleu und Boy von Chanel
Das Lavandin
Ursprünge: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, ist Lavandin eine Lavendelsorte und das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Lavandula Vera und Lavandula spica.
Hauptsächlich in Südfrankreich geerntet, gibt es 3 Sorten von Lavandin: Lavandin Grosso, Lavandin Abrial und Lavandin Super. Lavandin Grosso wird am meisten angebaut.
Verarbeitung: Wie beim Lavendel gewinnt man Lavandin-Essenz dank der Wasserdampfdestillation.
Olfaktorische Beschreibung: Kampferartiger als Lavendel, ist Lavandin frisch, etwas holzig, würzig und besitzt eine weniger schicke Seite als der echte Lavendel. Sein Duft ist krautig und erinnert etwas an Seife.
Verwendung: Lavandin wird hauptsächlich für Reinigungsmittel und Seifen verwendet und generell in der industriellen Parfümerie.
Der Rosmarin
Ursprünge: Rosmarin zieht seinen Namen aus dem Lateinischen „rosmarinus“, was „Tau des Meeres“ bedeutet, weil diese Pflanze von den Ausdünstungen des Meeres imprägniert war. Rosmarin stammt aus der Mittelmeerregion.
Verarbeitung: Rosmarin-Essenz wird durch Wasserdampfdestillation seiner Blätter und Blüten gewonnen.
Olfaktorische Beschreibung: Rosmarin ist aromatisch, frisch, krautig, kampferartig und in seiner Entwicklung holzig. Sein Duft ist kraftvoll, lavendelartig und bitter. Diese Note erinnert ein wenig an Weihrauch (vgl. Balsame und Harze) mit einem leicht animalischen Akzent.
Verwendung: Rosmarin wird hauptsächlich für aromatische Parfüms, Eaux de Cologne oder Herrenparfüms verwendet. Man findet ihn auch in hesperidischen Düften und in frischen Noten im Allgemeinen (vgl. Facette der neuen Frische).
Dieser Aromat kann auch bestimmte orientalischere Parfüms in der Kopfnote auffrischen.
Parfüms, die Rosmarin enthalten:
- Jicky, Eau de Guerlain, Eau du Coq, Tonka Impériale von Guerlain
Der Thymian
Ursprünge: In Europa heimisch, wächst Thymian heute in Frankreich, Spanien, Algerien und im ehemaligen Jugoslawien. Früher wurde Thymian von den Ägyptern für Begräbniszeremonien verwendet. Die Griechen fügten ihn dem Weihrauch hinzu („thymos“ bedeutete auf Griechisch „ich parfümiere“).
Man zählt viele Thymiansorten: Zitronenthymian, wilder Thymian, deutscher Thymian. In Südfrankreich nennt man Thymian „la farigoule“, vom okzitanischen „farigola“.
Verarbeitung: Die Ernte des Thymians erfolgt ab dem Frühling bis zum Ende des Sommers. Die Zweige werden getrocknet und dann mit Wasserdampf destilliert, um Thymian-Essenz zu erhalten.
Olfaktorische Beschreibung: Thymian besitzt einen kampferartigen, krautigen, würzigen, sogar medizinischen Duft. Seine Noten sind zudem sehr frisch und intensiv.
Verwendung: Thymian wird häufig für Eaux de Cologne und aromatische Parfüms verwendet. Man findet ihn auch in bestimmten würzigen Orientalen.
Parfüms, die Thymian enthalten: L’Eau Noire von Dior, Eau de Parfum von Gucci, For Him von Narciso Rodriguez, Pour Homme von Van Cleef & Arpels, L’Heure Bleue von Guerlain.
Der Salbei
Ursprünge: Salbei ist eine aromatische Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er zieht seinen Namen aus dem Lateinischen „salvare“, was „retten“ bedeutet. Es gibt zwei große Salbeisorten, die uns hier interessieren: Muskatellersalbei und Echter Salbei. Muskatellersalbei wird in der Parfümerie am häufigsten verwendet.
Verarbeitung und Herstellung: Zwei Verfahren ermöglichen es, Salbei in der Parfümerie zu gewinnen, wobei das gängigste die Wasserdampfdestillation (Salbei-Essenz) ist. Dennoch ist es auch möglich, ein Absolue durch Extraktion mit flüchtigen Lösungsmitteln zu erhalten.
Olfaktorische Beschreibung: Muskatellersalbei besitzt einen aromatischen, animalischen, holzigen und erdigen Duft, aber auch blumig, lavendelartig, grün, minzig und kampferartig.
Verwendung: Salbei ermöglicht es, Parfüms, oft Herrendüften, eine aromatische und tonische Note zu verleihen. Er besitzt eine extreme Haltbarkeit und gehört zu den Basisnoten. Man verwendet insbesondere Salbei, um Ambrox zu gewinnen, das es ermöglicht, grauen Amber in Parfüms zu ersetzen.
Parfüms, die Salbei enthalten: L’Heure Bleue von Guerlain (Kopfnoten), Polo von Ralph Lauren, Pour Homme von Van Cleef & Arpels, Dior Homme von Dior.
Der Beifuß (Armoise)
Der Beifuß ist eine atypische, mehrjährige krautige Pflanze. Sein lateinischer Name ist Artemisia, und er stammt aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum. Man zählt 300 verschiedene Arten. Beifuß besitzt einen krautigen, frischen, kampferartigen, bitteren Duft und eine etwas giftige Note.
Er ist hauptsächlich in der Herrenparfümerie präsent. Beifuß ist übrigens in Déclaration von Cartier und in L’Eau d’Armoise von Serge Lutens enthalten.
Die Aromaten mit Anis-Noten
Unter den in der Parfümerie verwendeten Aromaten besitzen einige Anis-Noten. Dies ist insbesondere bei Basilikum, Estragon und Sternanis der Fall.
Das Basilikum
Ursprünge: Ursprünglich aus Indien und dem Libanon stammend, wurde Basilikum im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt. „Basil“ bedeutet ursprünglich „königlich“. Man zählt mindestens 6 verschiedene Basilikumsorten, von denen jede einen sehr unterschiedlichen Geruch hat.
Verarbeitung: Das ätherische Basilikumöl stammt aus den frischen Blättern der Pflanze. Man muss sie trocknen lassen, bevor man zur Wasserdampfdestillation übergeht.
Olfaktorische Beschreibung: Basilikum besitzt einen krautigen, aromatischen, frischen, aber auch nahrungsmittelartigen, grünen, würzigen, sehr anishaltigen und minzigen Duft (der manchmal ins Lavendelartige geht). Die großblättrige Sorte verströmt einen Geruch von Jasmin, Süßholz und Zitrone. Rotes Basilikum hat hingegen pfeffrige Akzente.
Verwendung: Ätherisches Basilikumöl dient hauptsächlich frischen oder Fougère-Kompositionen. Es wird oft mit zitronigen oder würzigen Noten kombiniert.
Parfüms, die Basilikum enthalten: Aqua Allegoria Mandarine Basilic von Guerlain, L’Eau d’Hadrien von Annick Goutal, Eau Sauvage von Dior, Pour Homme von Azzaro, Euphoria for Men von CK.
Der Estragon
Ursprünge: In Russland, dem Orient und dem Himalaya heimisch, wurde Estragon von den Mauren in Spanien eingeführt. Im Altfranzösischen wurde Estragon zunächst „tarcon“, dann „targon“ genannt. Dieses Wort kommt vom englischen „tarragon“, was „Drachenkraut“ (dragon herb) bedeutet.
Verarbeitung: Ätherisches Estragonöl wird durch Destillation seiner Blätter mit Wasserdampf gewonnen.
Olfaktorische Beschreibung: Estragon besitzt einen grünen, aromatischen, krautigen, würzigen und anishaltigen Duft.
Verwendung: Estragon-Essenz wird in frischen Düften als Kopfnote verwendet, oft in Verbindung mit Citrus. Eine der häufigsten Anwendungen bleibt die aromatische Familie oder die Verstärkung des Hedion-Effekts.
Parfüms, die Estragon enthalten: Eau de Guerlain, L’Heure Bleue, Après l’Ondée von Guerlain; Infusion de Vétiver von Prada; Cerruti 1881; Eau Sauvage von Dior.
Der Sternanis (Badiane)
Ursprünge: Sternanis oder Badiane stammt vor allem aus China oder Vietnam. Diese Sorte ist leicht an ihrer Form eines braunen Sterns mit 8 Zacken zu erkennen. Es handelt sich übrigens um die einzige trockene aromatische Note.
Verarbeitung: Ätherisches Anisöl wird durch Destillation der Samen mit Wasserdampf gewonnen.
Olfaktorische Beschreibung: Sternanis und Badiane haben einen ähnlichen Geruch, nämlich anisartig, würzig, stark, aromatisch, frisch und likörartig. Badiane ist jedoch spürbar würziger, krautiger und likörartiger, während die traditionelle Anisnote grüner, säuerlicher und aromatischer ist.
Verwendung: Meistens wird ätherisches Anisöl in den Kopfnoten verwendet, wegen seiner Frische und seiner grünen Akzente. Dieser Aromat ist oft in aromatischen oder Chypre-Parfüms sowie in Herrendüften präsent.
Parfüms, die Anis enthalten: L’Instant pour Homme von Guerlain, Lolita Lempicka, Hypnose pour Homme von Lancôme, Mandragore von Annick Goutal, Le Mâle von Jean-Paul Gaultier.
Die Aromaten mit Minz-Noten
Neben den Aromaten mit Lavendel- und Anis-Noten unterscheidet man auch die Aromaten mit Minz-Noten, darunter Pfefferminze und Grüne Minze.
Die Pfefferminze
Ursprünge: Pfefferminze entstammt einer Kreuzung zwischen Mentha aquatica und Mentha spicata. Der Legende nach verliebte sich der griechische Gott der Unterwelt, Hades, in die Nymphe Mintha. Seine Frau verwandelte die Nymphe aus Eifersucht in eine Pflanze.
Olfaktorische Beschreibung: Pfefferminze ist eine kalte, aromatische, frische, leicht kampferartige Note. Ihr Duft ist zudem kraftvoll, grün und minzig mit balsamischen Nuancen.
Verwendung: Sie wird in frischen Parfüms verwendet (vgl. Kopfnoten) und wird oft mit Herrenparfüms assoziiert.
Parfüms: Homme von Guerlain, Géranium pour Monsieur von Frédéric Malle, Green Tea von Elizabeth Arden.
Die Grüne Minze
Ursprünge: Grüne Minze (Spearmint) ist eine weitere Minzsorte, die in der Parfümerie verwendet wird. Sie wird vor allem in den Vereinigten Staaten und in Italien angebaut.
Verarbeitung: Die Blätter der Grünen Minze werden mit Wasserdampf destilliert, um Essenz zu erhalten.
Olfaktorische Beschreibung: Grüne Minze verströmt einen minzigen, krautigen, leicht würzigen, frischen und grünen Duft. Sie besitzt auch einen Geruch nach Chlorophyll, säuerlich, mit einer Note, die ein wenig an geschnittenes Gras erinnert, und leicht fruchtig (Melone).
Parfüms: Aqua Allegoria Herba Fresca von Guerlain.
Der Absinth (Wermutkraut)
Ursprünge: Dieses kraftvolle Kraut ist mit einem breiten Rhizom und grau-grünen Blättern ausgestattet. Es zieht seinen botanischen Namen aus einer Legende, nach der die Göttin Artemis diese Pflanze verehrt haben soll.
Verarbeitung: Absinth-Essenz wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen (eine Technik, die in der Antike entdeckt wurde und in Grasse immer noch fortgeführt wird).
Olfaktorische Beschreibung: Absinth ist ein Aromat, das frisch, minzig, bitter, anishaltig und leicht holzig sein kann.
Verwendung: Absinth ist vor allem als beliebtes Getränk des 19. Jahrhunderts bekannt, von dem Verlaine und Rimbaud schwärmten. Lange Zeit wegen der Thujone verboten, ist es heute wieder zugelassen. In der Parfümerie wird Absinth hauptsächlich für Parfüms der Fougère- oder aromatischen Familie verwendet.
Parfüms, die Absinth enthalten: A Taste of Heaven von By Kilian, Fou d’Absinthe von L’Artisan Parfumeur, Douce-Amère von Serge Lutens.