Geschichte des Parfums (Teil 1): Von der Antike bis zur Renaissance

Das Wort Parfum stammt vom lateinischen „Per fumum“, was wörtlich „durch den Rauch“ bedeutet.
Das antike Ägypten: Wiege der Parfümerie
Das Parfum als Verbindung zwischen Himmel und Erde
Die Geschichte des Parfums hat ihren Ursprung in den antiken Tempeln, wo aromatische Pulver, Balsame und kostbare Hölzer verbrannt wurden, um die Götter zu ehren. Es begleitete Gebete und zahlreiche Rituale, um sich den Schutz der Götter zu sichern.
Wenn die Ägypter eine ganz besondere Liebe zur Parfümerie hegten, dann vor allem deshalb, weil sie in diesem Produkt ein unbestreitbares Mittel sahen, eine Verbindung zwischen den Menschen und den Göttern zu schaffen. Sie beherrschten ebenso die Techniken der Einbalsamierung.
Bald fand das Parfum auch weltlichen Gebrauch: Sterbliche, Männer wie Frauen, nutzten die Wohltaten der Düfte und ihre heiligen Tugenden (Reinigung, Kosmetik, Therapie, Verzauberung, Verführung).
Das bekannteste Parfum des alten Ägyptens war das Kyphi, das als Räucherwerk in religiösen, aber auch in medizinischen und hygienischen Kontexten verwendet wurde. Die Rezeptur beinhaltet:
- Terpentinharze
- Wein und Honig
- Myrrhe
- Safran
- Zimt
- Rosinen…
Die Rezepte für Duftprodukte, die rituellen Zwecken dienten, wurden sorgsam gehütet. Sie wurden nur mündlich weitergegeben und niemals niedergeschrieben, um ihre Verbreitung zu verhindern. Auch wenn sie die Destillation noch nicht beherrschten, waren sie hingegen Experten in der Technik der Enfleurage.
Der Gebrauch von Parfum als Waffe der Verführung
Dennoch wurde Parfum, genau wie in unserer heutigen Zeit, auch als Instrument der Verführung eingesetzt. Seine olfaktorische und ästhetische Kraft wurde von der ägyptischen Bevölkerung sehr geschätzt. So zögerten Männer und Frauen nicht, sich zu schminken und die damals verfügbaren Duftsubstanzen zu verwenden, um Körpergerüche zu überdecken und eine gewisse Eleganz zur Schau zu stellen.
Das Louvre-Museum besitzt eine große Galerie, die dem antiken Ägypten gewidmet ist. Unter den zahlreichen Exponaten befindet sich ein Fragment aus bemaltem Kalkstein, das eine Dienerin darstellt, die ihrer Herrin einen Spiegel und ein Kohl-Etui bringt.
Weihrauch und Myrrhe stellten die damals am häufigsten verwendeten Materialien dar. Diese wurden direkt aus Somalia und dem Norden Äthiopiens importiert. Dennoch gelangten auch andere Duftstoffe aus Libyen, Arabien und dem Nahen Osten ins Land.
Die Ägypter bezogen zudem Kiefernöl, kostbare Hölzer und Gewürze. Sie waren bereits begierig auf Entdeckungen und suchten nach vielfältigen Materialien, die sowohl olfaktorische als auch therapeutische und medizinische Eigenschaften besaßen. Darüber hinaus beherrschten die Ägypter bereits perfekt die Kunst der Aromatherapie.
Alle kreierten Essenzen wurden damals in einer Art riesigen Tonkrügen aufbewahrt, ähnlich den dreitausend Exemplaren, die im Grab des Tutanchamun entdeckt wurden und deren Duft bis heute fortbesteht… Zweifellos gelten die Ägypter heute als das Volk, das den Weg für große Fortschritte in der Parfümerie geebnet hat.
Die Bibel und das hebräische Volk
Der heilige Sinn des Parfums
Die Bibel stellt, über ihren religiösen Charakter hinaus, ein wertvolles Zeugnis des täglichen Lebens der damaligen Völker dar. So wissen wir, dass die Hebräer bereits 2000 Jahre vor Christus Parfums verwendeten und dass die Körperhygiene von größter Bedeutung war. Mose definierte in der Bibel die verschiedenen Anwendungen von Bädern, sowohl für Frauen als auch für Männer.
Ebenso lehrt uns die Bibel, dass es Sitte war, sich vor jeder Mahlzeit mit Parfum zu besprengen. Zudem wurden Weine aromatisiert und Gewürze verbrannt, um die Festwestsäle mit einem zarten Duft zu versehen. Die Priester waren zugleich eine Art Apotheker, die die Verwendung von Pflanzen und Aromen perfekt beherrschten.
Sie kreierten Mischungen aus Zutaten, deren Rezepte kostbar gehütet wurden, und bewegten sich an der Grenze zwischen Medizin, Küche, Parfümerie und Magie. Unter den zahlreichen verwendeten Zutaten galt jedoch der Weihrauch als das Exzellenteste. Er war ausschließlich dem Kult vorbehalten.
Schließlich sei angemerkt, dass das Parfum auch eine Rolle in den Bestattungsriten spielte. Obwohl die Hebräer die Einbalsamierung nicht wie die Ägypter praktizierten, besprengten sie die Verstorbenen mit Duftwasser und salbten ihre Körper mit aromatischen Ölen.
Die von den Hebräern verwendeten Pflanzen
Mehrere Bibelverse heben die duftenden Zutaten hervor, die vom hebräischen Volk verwendet wurden. „Der Herr sprach zu Mose: Nimm dir Spezereien: Harz, Onycha, Galbanum und reinen Weihrauch, zu gleichen Teilen, und mache daraus Räucherwerk, gemengt nach der Kunst des Salbenbereiters, gesalzen, rein und heilig.“
Myrrhe, Zimt (ein Baum, der seinen Duft über seine Rinde verbreitet), Aloe und Narde waren ebenfalls sehr beliebte Produkte bei den Hebräern. Es ist bemerkenswert, dass die Narde, eine Art kleines duftendes Gras, auch Indische Narde genannt, ein sehr kostspieliges Parfum war.
Zudem werden laut der Bibel bestimmte Gerüche als der Duft der Gerechten betrachtet, andere entsprechen einem Opfer, wieder andere dienen der Götzenverehrung, während die letzten als der Duft der Erkenntnis angesehen werden.
Bis heute haben uns vertiefte Studien zur Religionsgeschichte erlaubt festzustellen, dass das Parfum beim hebräischen Volk ebenso weit entwickelt war wie zur Zeit des antiken Ägyptens.
Das antike Griechenland und die heilige Bedeutung der Pflanzen
Griechenland führt die Tradition fort und bereichert die Palette der Duftsubstanzen erheblich, indem es die Technik der Enfleurage verbessert, insbesondere durch die Einführung von Balsamen, Gummis und Harzen. Der Gebrauch von Parfum und Duftstoffen gewinnt im täglichen Leben an Bedeutung. Hygiene und Körperpflege werden immer wichtiger: Bäder, Bankette.
Wenn Ägypten als die Mutter der Parfümerie gilt, so versäumte es nicht, sein Wissen an das griechische Volk sowie an die Kreter und Phönizier weiterzugeben. Diese Kenntnisse wurden über ihre maritimen Beziehungen vermittelt. Wir finden daher starke Ähnlichkeiten zwischen dem heiligen Sinn des Parfums im antiken Griechenland und dessen Verwendung in Ägypten.
Zudem glaubten die Griechen in der kretisch-mykenischen Epoche, gegen 1500 vor Christus, an die Existenz göttlicher Wesen, die durch Aromen und Parfum offenbart wurden. Sie waren überzeugt, dass die zahlreichen aromatischen Pflanzen in der Natur göttlichen Ursprungs waren. Parfums erwiesen sich als wesentliche Bestandteile bei der Zelebrierung des Kultes.
So wurden bei jeder Zeremonie Opfergaben dargebracht und zahlreiche Duftsubstanzen wie Myrrhe oder Weihrauch verbrannt. Ebenso waren die wichtigsten Ereignisse im Leben der Menschen von der Präsenz von Düften geprägt. Jedes Ritual wurde von Räucherungen und duftenden Salbungen begleitet.
Aromen spielten eine reinigende Rolle, insbesondere bei Begräbnissen, und begünstigten sogar den Übergang ins Jenseits. Aus diesem Grund wurden die Verstorbenen zur Zeit des antiken Griechenlands in parfümierte Leichentücher gehüllt. Sie wurden anschließend verbrannt oder mit duftenden Pflanzen wie Rose, Lilie oder Veilchen bestattet, die als Symbole des ewigen Lebens galten.
Die Körperhygiene der Griechen
Jenseits des heiligen Sinns des Parfums legten die Griechen auch großen Wert auf Körperhygiene und die Schönheit des Seins. So nutzten sie Pflanzen in Form von Räucherungen, Einreibungen oder Bädern. Die öffentlichen Bäder, erfüllt vom Duft der Blumen, waren für die damalige Zeit sehr wichtige Orte der Sozialisierung, die sowohl von Männern als auch von Frauen besucht wurden.
Ebenso war es als Zeichen der Gastfreundschaft üblich, die Füße seiner Gäste in duftenden Becken zu waschen und ihnen allerlei wohlriechende Produkte anzubieten, wie Blumengirlanden, Goldlacköl oder aromatisierte Weine.
Rom: Hauptstadt des Parfums und des Exzesses
Rom wird als „Hauptstadt des Parfums“ bezeichnet, was den Handel mit Pflanzen steigerte. Die Römer suchten in den aromatischen Substanzen nach medizinischen Wirkungen. Sie führten Glasgefäße ein, welche die von den Griechen weitverbreiteten Tongefäße ersetzten. Sie entwickelten Raumdüfte.
Nero verwendete Parfum im Übermaß, insbesondere um die Ausdünstungen seiner Orgien zu überdecken.
Während Parfum zur Zeit des archaischen Roms kaum verwendet wurde, ermöglichte der Kontakt des römischen Volkes mit den Etruskern und Phöniziern eine Erweiterung ihrer Kenntnisse in der Parfümerie. Parfum und Duftstoffe waren wichtige Güter, die von den Römern von ihren Eroberungen mitgebracht wurden.
Letztere begannen nach und nach die Eigenschaften verschiedener Düfte zu schätzen, insbesondere jene der Myrte, des Spanischen Ginsters, des Labdanums und der Kiefer. So erlebten Parfums von der Republik bis zum Kaiserreich einen gewaltigen Aufschwung, der manchmal bis zum Exzess ging.
Genau wie ihre Nachbarn begannen die Römer, Düfte für ihre wichtigsten Riten wie Hochzeiten oder Beerdigungen zu nutzen.
Übrigens wurde beim Tod des Pompejus das Äquivalent einer arabischen Weihrauch-Jahresproduktion verbrannt! Ebenso nahmen die Thermen ein beträchtliches Ausmaß an, was allen Römern, auch den ärmsten, das Waschen ermöglichte und den Gebrauch von sapo verbreitete, einer schäumenden Paste und Vorläufer der Seife.
Parallel dazu verfassten Ärzte zahlreiche Werke über die heilenden Kräfte bestimmter Pflanzen. So wurden Aromen und Pflanzen zu Schlüsselelementen der damaligen Medizin. Bestimmte Duftprodukte wurden als Hautpflege verwendet und dienten der Massage von Athleten.
Der religiöse Wert des Parfums schwand allmählich, während die technischen Fortschritte in der Parfümerie und Aromatherapie beträchtlich waren. Übrigens bezeugen einige Werke, dass die Römer bereits die Destillation nutzten…
So gilt die Zeit des antiken Griechenlands und Roms als ein Schlüsselmoment in der Geschichte der Ausstrahlung der Parfümerie. Dennoch waren nicht alle illustren Figuren der Zeit dem völlig wohlgesonnen…
Für Cicero galt: „Kein Geruch ist ein guter Geruch!“, während Plinius über das Parfum sagte: „Dies ist jener Luxusgegenstand, und von allen der überflüssigste.“ Sei’s drum! Wenn man dem Schicksal der Duftstoffe Glauben schenkt, muss man feststellen, dass die glühenden Bewunderer des Parfums zahlreicher waren.
Die islamische Kultur und die Wissenschaften der arabischen Welt
Mohammed sagte einst: „Frauen, Kinder und Parfums sind das, was ich auf der Welt am meisten liebe“.
Arabien, ein für die Parfümerie günstiges Land
Sie lernten von den Griechen die Geheimnisse der Chemie. Sie sind die unangefochtenen Meister des Handels mit Gewürzen und Duftpulvern.
Wenn das Parfum in den orientalischen Ländern ein sehr wichtiger Bestandteil ist, dann zuallererst, weil diese sich auf einem für den Pflanzenanbau günstigen Boden befinden. Arabien ist das Land der Aromen par excellence.
Im Übrigen sprach der lateinische Dichter Properz von „Arabien der tausend Düfte“. Ebenso erwähnen die Dichter Hafis und Saadi in ihren Schriften die Rose, deren Duft in der arabischen Welt neben dem des tierischen Moschus am meisten geschätzt würde.
Darüber hinaus wird Rosenwasser verwendet, um die Wohnräume zu parfümieren. Ebenso findet es sich sehr oft in bestimmten Speisen wie Süßigkeiten, Sorbets oder Lokum wieder. Kaffee wird dort regelmäßig mit grauem Ambra vermischt, und der Brauch will es, dass die Wände der Trinkgefäße mit duftenden Harzen imprägniert werden.
Ebenso besaßen die Araber im Mittelalter eine große wissenschaftliche Kultur. Kräuter wurden in diesem Zusammenhang sehr häufig zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Auch wenn die Araber nicht die Erfinder der Destillation sind, so verbesserten sie diese Technik erheblich und verbreiteten sie in Europa: Alembik (Alambic) ist ein arabisches Wort.
Der heilige Sinn des Parfums für die Araber
Parallel dazu ist das Parfum ein integraler Bestandteil der Religion, und der Koran spricht viele Male davon. So soll das muslimische Paradies von zahlreichen lieblichen Düften erfüllt sein. Ebenso sollen die Frauen aus dem „reinsten Moschus“ geschaffen sein. Wie bei vielen Zivilisationen wurden auch die islamischen Riten von Parfum begleitet.
Zudem waren die Männer angehalten, regelmäßig öffentliche Bäder aufzusuchen, um sich zu reinigen, während die Frauen in den Harems die meiste Zeit damit verbrachten, ihre natürliche Schönheit zur Geltung zu bringen. Schließlich sei noch angemerkt, dass es Muslimen heutzutage erlaubt ist, sich während des Ramadan zu parfümieren, ohne dass dies das Fasten ungültig macht.
Die Hindus und der Attar
Sie besitzen einen anderen Ansatz: Sie bauen Tempel aus Sandelholz und achten darauf, ihre Parfums (in Form von Attar) mit den verschiedenen Räumen der Tempel zu harmonisieren. Attar ist ein alkoholfreies Parfum, dessen erste Spuren bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. in die Region Kannauj in Indien zurückreichen.
Das Mittelalter in Europa: Zwischen Rückgang und Erneuerung
Der erste Teil des Mittelalters ist von einem deutlichen Rückgang der Parfümerie geprägt. Tatsächlich führten die Barbareneinfälle zum Fall des Römischen Reiches und schränkten den Gebrauch aromatischer Pflanzen ein. Die Wiedereröffnung der römischen Handelswege ab dem 12. Jahrhundert ermöglichte jedoch die Wiederentdeckung zahlreicher Düfte.
Des Weiteren ebneten die Reisen Marco Polos sowie die Entwicklung des Gewürzhandels den Weg für neue Aromen. Die Einführung von Parfums in Europa erfolgte auch durch die Kreuzzüge.
In Frankreich wurde im Jahr 1190 das Privileg des Parfumhandels den Handschuhmachern verliehen. Die erste aromatische Komposition auf alkoholischer Basis, das berühmte „Ungarische Wasser“ (Eau de Hongrie), das insbesondere auf Rosmarinbasis hergestellt wurde, erblickte im 14. Jahrhundert das Licht der Welt.
Das Parfum gegen den Schwarzen Tod
Während der Pestepidemie (Schwarzer Tod, 1347–1352) empfahlen Ärzte die Verwendung von Parfums, die insbesondere Gewürze enthielten. Während der Quarantäne wuschen sich die Überlebenden mit Branntwein, dem Nelken, Salz und Irispulver zugesetzt waren, und inhalierten dann aromatische Essige, deren Rezeptur zum Beispiel Folgendes verwendete:
- Gewürznelke
- Veilchenblüte
- Hyazinthe
- Gartennelke
- Moschus
- Grauer Ambra
Den Ärmsten empfahl man die Verwendung von Beifuß, der erschwinglicher war…
Zur Vorbeugung konnte man aromatische Pflanzen inhalieren. Zum Selbstschutz trugen die Ärzte eine lange, sehr umhüllende schwarze Robe mit einer Maske in Form eines Vogelkopfes, deren langer Schnabel mit Aromen gefüllt war. In Privathaushalten wurden Parfums in Räuchergefäßen verbrannt, um die Luft zu reinigen; der Gestank galt als todbringend.
Auch die ständig am Körper getragenen Pomander (Bisamäpfel) waren bei Aristokraten und hohen Geistlichen sehr beliebt, die mehrmals täglich die darin enthaltenen Aromen inhalierten.
Unter den zahlreichen Wässern, die gegen die Pest helfen sollten, genoss das Damaszener Wasser, dessen Formel zwölf Aromen sowie Moschus und Zibet enthielt, einen hervorragenden Ruf, ebenso wie der Theriak aus Venedig und Montpellier. In den Straßen entzündete man, um das Fortschreiten der Epidemie aufzuhalten, inmitten der Kreuzungen große Feuer, welche die Atmosphäre reinigen sollten.
Venedig in der Renaissance
In Venedig entstand 1555 das erste europäische Traktat über die Parfümerie. Die Italiener waren Meister in der Kunst der Lederverarbeitung; sie waren es, die die Mode der parfümierten Handschuhe initiierten. Man kennt das Rezept für „Spanisches Leder“ (Peau d’Espagne): Das Leder mazeriert in Rosenwasser, dann fügt man Duftstoffe wie Lavendel, Neroli, Gewürznelke und Sandelholz hinzu. Das Ganze wird anschließend mit tierischen Noten verknetet.