Holzige Noten in der Parfümerie: Von Sandelholz bis Oud

Es gibt immer mehr holzige Parfums. Früher hauptsächlich Männern vorbehalten, werden sie heute auch von Frauen selbstbewusst getragen. Zeder, Sandelholz, Vetiver und Patchouli werden oft von folgenden Harzen begleitet: Weihrauch, Myrrhe, Styrax, Guajakholz, Oud-Holz, Eichenmoos.
Holzige Noten sind beruhigende, strukturierte, meist kraftvolle Noten; sie wirken als Stützen in der Komposition und verleihen dem Parfum ein Rückgrat. Fast alle Parfums auf dem Markt enthalten holzige Komponenten.
1. Das Sandelholz: Sanft und milchig
Das einzige sanfte, milchige und cremige Holz ist das Sandelholz, das nicht mehr aus Indien stammt, da es dort von der indischen Regierung geschützt wird, sondern aus Südostasien (siehe Beitrag Sandelholz). Es gibt andere botanische Arten wie das Santalum Spicatum (Australien), das eher einer Zeder ähnelt, oder das Santalum Austrocaledonicum (Neukaledonien).
Viele Marken haben das natürliche Sandelholz zugunsten von Syntheseprodukten aufgegeben, was beispielsweise bei Guerlain oder den Parfums von Sylvaine Delacourte nicht der Fall ist.
Emblematische Parfums mit Sandelholz
- Samsara (Guerlain, 1989): Zum ersten Mal gab es in einem Damenparfum eine Überdosis an Holz mit 20% Sandelholz in der Formel, hauptsächlich begleitet von Ylang-Ylang und Jasmin. Der erste große internationale holzige Damenduft.
- Bois des Iles (Chanel, 1925): Sandelholz und Vetiver, umhüllt von warmen Noten (Tonkabohne, Zimt, Vanille).
- Santal Massoïa (Hermès): Jean-Claude Ellena lancierte diesen holzigen Duft mit runden und weichen Noten, ein horizontales und fleischliches Holz, verbunden mit Massoïa-Holz.
- Tam Dao (Diptyque): Sehr kraftvoll und von Frauen geschätzt.
- Wonderwood (Comme Des Garçons): Verbindung aus Sandelholz, Vetiver, Patchouli, Guajak, Zeder, Oud, Zypresse.
- Santal Royal (Guerlain): Thierry Wasser vermählt Sandelholz mit Oud-Holz.
2. Die Zeder: Trocken und markant
Die Zeder erinnert an Bleistiftminen, Sägewerke und Holzspäne. Sie harmoniert wunderbar mit Vetiver und Zitrusfrüchten im Chypre-Parfum Eau des Merveilles von Hermès aus dem Jahr 2004.
Sie lässt sich auch gut mit Patchouli, Sandelholz und Blumen kombinieren, wie in Magie Noire von Lancôme (1978), und mit Früchten wie in Féminité du Bois von Shiseido (1992). Serge Lutens zelebrierte die Note der Atlas-Zeder, die an Marokko erinnert, und entwarf eine Komposition, die durch Zimt und Gewürznelke gewürzt und durch Veilchennoten irisierend gestaltet wurde.
Ein Duft, der später Dolce Vita von Dior inspirieren sollte. Féminité du Bois ist wirklich der erste rein holzige Damenduft.
3. Das Patchouli: Erdige Sinnlichkeit
Patchouli ist allein schon ein Versprechen von Sinnlichkeit. Die getrockneten Blätter der Pflanze erzeugen eine erdige, kampferartige, fast medizinische und holzige Note. Inzwischen gibt es das „Cœur de Patchouli“ (Patchouli-Herz), das von den etwas staubigen Noten befreit ist; es wird dadurch rein, schlank und majestätisch.
Es ist einer der Hauptbestandteile des orientalischen Akkords wie bei Shalimar und Opium, sowie des Chypre-Akkords, wo es das Eichenmoos ersetzt. Es spielt ein betörendes Duo mit der Rose in Aromatic Elixir von Clinique (1975). Man findet es in Coco, Coco Mademoiselle, Coco Noir von Chanel, Miss Dior und auch in La Petite Robe Noire von Guerlain.
4. Das Vetiver: Die rauchige Wurzel
Guerlain gehört zu den Ersten, die dem Vetiver Tribut gezollt haben, dessen Wurzel eine erdige, feuchte und rauchige Note hervorbringt. Vétiver von Guerlain (1959) vermählt diese frische holzige Note mit Zitrusfrüchten, Tonkabohne, Muskatnuss und einem Tabak-Akkord.
Guerlain verwendet eine Exklusivität: das Vetiver aus Indien, das Thierry Wasser entwickelt hat (sehr präsent in Guerlain Homme L’Eau Boisée).
Weitere bemerkenswerte Vetiver-Düfte
- Vétiver Oriental (Serge Lutens): Zartbitterschokoladen-Note des Java-Vetivers.
- Vétiver Extraordinaire (Frédéric Malle): Enthält mehr als 25% Vetiver.
- Vétiver Tonka (Hermès): Vetiver und Tonkabohne.
- Terre d’Hermès (2006): Vetiver, Zeder, Zitrusfrüchte, Pfeffer und Benzoe.
5. Die anderen holzigen Noten: Kiefer, Feige, Oud und Synthese
Kiefer, Zypresse und Feige
Die Noten von Kiefer oder Zypresse, sogenannte Waldnoten, werden wenig verwendet. Es gibt die Kiefernessenz (frisch, bitter) und den Fir Balsam (gourmandige Kiefernnadel). Verschwundene Klassiker: Pino Silvestre (1955) und Acqua di Selva (1949). Fille en Aiguilles von Serge Lutens greift dieses Thema auf.
Der Feigenbaum-Akkord, der mittlerweile zum Klassiker geworden ist, erschien mit Premier Figuier von L’Artisan Parfumeur, kreiert von Olivia Giacobetti.
Das Oud-Holz (Adlerholz)
Das Oud-Holz (Oudh, Agar, Aloe, Jinko, Gaharu) ist ein dunkles und sehr duftintensives Harz, das sich in Aquilaria-Bäumen entwickelt, wenn diese von einem Pilz, dem Phialophora, infiziert werden. Es ist eine Abwehrreaktion. Manchmal ist es natürlich, aber da es ein sehr teurer Rohstoff ist, handelt es sich oft um eine Rekonstruktion.
Man findet es in M7 von YSL, Habit Rouge Eau de Parfum und den Déserts d’Orient von Guerlain.
Guajak, Birke und Synthese
- Guajakholz: Holz mit rauchigen Noten, ein wenig lederartig.
- Birkenholz: ergab eine dunkle Ledernote (inzwischen verboten, ersetzt durch Synthesen wie Sudéral).
- Vetyverylacetat: Teurer als natürliches Vetiver, eine nervige und reine Note.
- Sandalore: Ein Molekül, das dem Sandelholz nahekommt.
- Evernyl: Moos-Note (Eau des Merveilles).
- Cashmeran: Weich und fast orientalisch.
- Cedramber, Vertofix: Dem Zedernholz nahe.
- Iso E Super: Samtiges Holz, fast moschusartig (Überdosis in Trésor von Lancôme).
- Karanal: Sehr vibrierendes Holz (Light Blue von Dolce Gabbana).