Bibergeil: Geschichte, ledriger Duft und Verbot dieser animalischen Note in der Parfümerie

Bibergeil (Castoreum) ist eine ölige Sekretion des Bibers, die in der Parfümerie wegen ihrer Kraft und ihres ledrigen, rauchigen, animalischen Geruchs sehr geschätzt wurde. Heute ist die Verwendung verboten. Es gehört zu den historischen natürlichen tierischen Noten, neben:
- Zibet
- Tierischer Moschus
- Ambra (die einzige noch zugelassene Ausnahme)
- Hyraceum
Die historische Rolle von Bibergeil und tierischen Noten
Entdeckt von Alexander dem Großen um 330 v. Chr., faszinierten tierische Noten Parfümeure lange Zeit durch ihre Intensität und Haltbarkeit. In sehr geringen Dosen verwendet, wirkten sie als kraftvolle Fixiermittel, die Kompositionen verankerten und Sinnlichkeit, Fülle und außergewöhnlichen Halt verliehen. Bibergeil fügte insbesondere maskulinen und femininen Parfüms eine intensiv ledrige Note hinzu.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden diese Noten häufig in Leder-Akkorden, Orientalen und Chypre-Düften verwendet.
Was ist Bibergeil (Castoreum)?
Bibergeil ist eine ölige, stark riechende Sekretion, die von den Drüsen in der Nähe des Analbereichs des Bibers produziert wird. Diese Substanz dient dazu, sein Fell wasserdicht zu machen und sein Territorium zu markieren.
Ursprünglich aus Kanada und Russland stammend, wurde der Biber wegen seines Fells und seiner Drüsen gejagt. Die Duftdrüsen wurden mit flüchtigen Lösungsmitteln behandelt, um ein Resinoid, ein Absolue oder eine Tinktur herzustellen. Etwa 5 kg Sekrete waren notwendig, um 1 kg Absolue zu gewinnen.
Im Mittelalter wurde Bibergeil in Pomandern (Duftjuwelen) integriert, um schlechte Gerüche zu überdecken und dezent zu parfümieren. Es wurde auch in der Medizin verwendet (z.B. gegen Epilepsie).
Verbot und olfaktorische Beschreibung
Verbot und Rechtsstatus
Bibergeil ist in der konventionellen Parfümerie seit etwa zwanzig Jahren verboten. Dieses Verbot ist das Ergebnis von Aktionen von Organisationen wie dem WWF, da die Gewinnung der Substanz den Tod des Tieres erforderte. Nur die Verwendung von Ambra ist noch zugelassen, da es ohne Tierquälerei gesammelt wird.
Geruch und olfaktorische Facetten
Der Geruch von Bibergeil ist einzigartig: Er ist ledrig, animalisch und rauchig. Er erinnert an Noten von Pelz, Tinte, Pflaume, schwarzen Oliven und Trockenfrüchten.
Aufgrund seines starken Charakters wurde Bibergeil auch in Süßigkeiten, Zigaretten und Aromen (insbesondere Vanille) verwendet, um diese zu verstärken.
Moderne Alternativen zu Bibergeil (Synthese und Pflanzlich)
Obwohl die Verwendung heute verboten ist, hat die Industrie synthetische Lösungen und pflanzliche Alternativen entwickelt, um diese ledrige und rauchige Facette nachzubilden:
- Synthetisches Bibergeil: Moleküle, die den animalischen und rauchigen Duft imitieren. Der Ersatz ist zwar nicht identisch, kommt dem Original aber sehr nahe.
- Pflanzliche animalische Noten: Parfümeure verwenden natürliche Materialien, die reich an animalischen Nuancen sind, wie z.B.:
Diese Innovationen stellen sicher, dass die sinnlichen, ledrigen Facetten in der modernen Parfümerie ethisch erhalten bleiben.