Der Duft der Sauberkeit: Vom Eau de Cologne zum weißen Moschus

Ich lade Sie ein, Ihre weißen Leinenlaken an der frischen Luft trocknen zu lassen, während der Wind sie davonträgt, oder sich an die dunstige Atmosphäre einer Waschküche zu erinnern.
Oder warum kehren wir nicht in vergangene Zeiten zurück, um den provenzalischen Wäscherinnen bei der Arbeit zuzusehen, eine herrlich belebende Dusche zu nehmen und anschließend Ihr makelloses Hemd überzustreifen? Der Begriff der Sauberkeit in einem Parfum kann auf verschiedene Weisen ausgedrückt werden.
1. Die hesperidische Sauberkeit (Die belebende Dusche)
Die hesperidische (zitrische) Sauberkeit wird durch Zitrusfrüchte realisiert: Bergamotte, Zitrone, Mandarine, Orange, Limette. Diese Zitrusfrüchte erinnern an das herrliche Gefühl von Wasserspritzern auf dem Gesicht oder Körper, den Wunsch, belebt und gestärkt zu werden, den großen Frischestoß.
Das Eau de Cologne und die Marseiller Seife
Die Eaux de Cologne (vgl. Eau de Cologne), die mit diesen Zitrusfrüchten (vgl. Hesperiden-Facette) orchestriert sind, vermitteln dieses Gefühl von Sauberkeit und Frische. Sie erinnern an den Moment nach der Dusche; sie werden großzügig aufgetragen. Die Zitrusfrüchte werden oft von Petitgrain (Blatt des Orangenbaums), aromatischen Noten (vgl. Aromatische Facette) und manchmal weißem Moschus begleitet.
Die Dusche erinnert auch an Seife, die in Frankreich die Referenz für die saubere Note ist, insbesondere die Marseiller Seife (bestehend aus Soda und Olivenöl). Die Seifen wurden ebenfalls oft mit klassischen Eaux de Cologne parfümiert.
2. Die aromatische Sauberkeit (Der Lavendel)
Die Wäscherinnen gaben früher bei ihrer Wäsche Lavendelessenz in das Spülwasser. Übrigens ist die Etymologie des Wortes Lavendel bezeichnend, denn Lavendel kommt vom Wort lavare, was waschen bedeutet. Die Römer parfümierten ihre Bäder mit dieser Pflanze.
Lavendel wirkt desinfizierend, entspannend und vertreibt Motten. Man erinnert sich auch an die kleinen Lavendelzweige zwischen zwei Lakenstapeln bei der Großmutter. Thymian, Rosmarin und Minze können in leichten Nuancen sowohl Sauberkeit als auch Frische suggerieren.
In all diesen Zutaten findet man ein gemeinsames Molekül, das Camphrol, das das Gefühl vermittelt, tief Luft zu holen und die Nasenlöcher zu öffnen.
3. Der weiße Moschus (Der Waschmittel- und Kokon-Effekt)
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Verbreitung von Waschmaschinen zu einem Rückgang der Verwendung von Marseiller Seife geführt. Mit den modernen Waschmitteln kam vor allem der Aufstieg synthetischer Moleküle, wie der weiße Moschus (vgl. Moschus-Facette), der bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde.
Es sind schwere und haftfeste Moleküle, die sich leicht an der Wäsche festsetzen: Celestolide, Galaxolide, Habanolide, Helvetolide. Sie vermitteln dieses Gefühl von Kokon und Sauberkeit.
Die „Neue Frische“ und die Babyhaut
Anderer weißer Moschus riecht nach Babyhaut; was gibt es Reineres, Unschuldigeres als diesen wunderbaren Geruch? Ein bestimmtes Molekül der „Neuen Frische“ vermittelt dieses Gefühl: das Dihydromyrcenol (vgl. Facette Neue Frische).
Es besitzt einen sehr belebenden Geruch mit einer Note von sauberer Wäsche oder Waschmittel. Dieses bei Männern sehr beliebte Molekül wurde sehr breit in Herrenparfums verwendet und wird heute universeller eingesetzt.
4. Die Aldehyde (Der Geruch des Bügeleisens)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt 1835 entdeckt, wurden die aliphatischen Aldehyde, synthetische Moleküle, schließlich unverzichtbar in den Parfümerielaboren. Es war das Parfum N°5 von Chanel, das sie aus dem Schatten treten ließ.
In der Chemie ist ein Aldehyd eine bestimmte Gruppe von Atomen: C1, C2, C3. Im Jahr 1903 entdeckte Herr Darzens einen Weg, bestimmte Aldehyde zu stabilisieren, insbesondere das Aldehyd C12 MNA mit seinem kalten Geruch, dem sehr charakteristischen Duft eines Bügeleisens, und mit einer leicht hesperidischen und metallischen Note, die an die Sauberkeit von chemischen Reinigungen erinnert.
5. Andere Assoziationen von Sauberkeit
- Die Meeresluft: Jodhaltige Luft, marine, mineralische oder salzige Noten können für manche Sauberkeit evozieren. Moleküle wie Calone oder Helional ermöglichen es Düften, die Gerüche eines von der Gischt umspülten Strandes zu übersetzen (vgl. Marine Facette).
- Die Blumen: Orangenblüte und Neroli, gewonnen durch Destillation (vgl. Destillation), erinnern besonders in Frankreich an das Saubere und Reine (Parfums für Babys). Abstrakte florale Noten wie Lilial (ein mittlerweile verbotenes Molekül) oder Florol können ebenfalls Sauberkeit suggerieren.
Ein subjektiver und kultureller Begriff
Sauberkeit ist auch ein etwas subjektiver Begriff; jeder hat seine eigene Wahrheit in diesem Bereich. Diese Noten, die Sauberkeit evozieren, ändern sich je nach Kultur:
- USA: Die Zitrone wird favorisiert.
- Spanien: Das Eau de Cologne.
- Frankreich: Frische Blumen und Moschus (Referenzen: Mon Savon und Marseiller Seife).
- Brasilien: Anis- und Lavendelnoten.
- Naher Osten: Das Oud.
- China: Frische Früchte wie Apfel und Birne.
- Universell: Der Duft der Nivea-Creme (Maiglöckchen).
Liste von Parfums, die Sauberkeit illustrieren
- Cologne von Mugler
- Chat Perché von Annick Goutal
- Superdose von Juliette Has a Gun
- Cologne von Chanel
- Noa von Cacharel
- Neiges von Lise Watier
- Clean von Clean
- White Musk von The Body Shop
- Cool Water von Davidoff
- 212 von Carolina Herrera
- Les Eaux de Politesse von Serge Lutens
- Un Dimanche à la Campagne von Guerlain
- Eau de Lit von Guerlain
- Eau de Lavande von Diptyque
- Voulez-vous coucher avec Moi von Kilian Paris
- Eau Blanche von Brécourt
- Lazy Sunday Morning von Maison Martin Margiela
- White Linen von Estée Lauder
- Eau de Gentiane Blanche von Hermès