Die Mandel in der Parfümerie: Eine gourmandige und natürliche Note

Ich liebe die Mandelnote in all ihren Facetten! Zunächst in Leckereien: Frangipane, Mandelsirup (Orgeat), Calissons, Gazellenhörnchen, Tiramisu, Financiers, Macarons, Mandeltörtchen, Amaretto-Likör und schließlich die „Granita di Mandorla“ bei Grom. Das ist ein absolut unwiderstehliches Mandel-Granita-Eis.
Die Mandel in der Geschichte des Parfums
Ich habe sie auch in Parfums geliebt: in einigen, die manchmal verschwunden sind, wie jenes von Castelbajac, oder auch in Hypnotic Poison von Dior, Portofino von Dior, L von Lolita, Héliotrope von Etro. Nicht zu vergessen Héliotrope Blanc von Pivert, das historisch gesehen das erste Mandelparfum ist, eine Mischung aus Puderzucker und Mandelpulver. Es wird immer noch vertrieben. Es ist der Vorfahre der Mandelparfums. Seine ursprüngliche Version erschien 1850.
Ich ließ sie von Randa Hammami bei der Kreation von L’Instant Magic und in Mon Précieux Nectar hinzufügen. Sie ist auch in La Petite Robe Noire präsent (um in der Parfümerie eine Kirsche zu kreieren, muss man den roten Früchten Mandel hinzufügen), aber auch in Tonka Impériale aus der Exclusifs-Linie von Guerlain, den ich als das allererste Petite Robe Noire mit Delphine Jelk entwickelt habe.
L’Homme Idéal von Guerlain ist eine „Mandel in maskulin“, eine Hommage an Jicky. Es ist ein „Amaretto“-Akkord: gemacht aus natürlicher Mandelnote, auch Benzaldehyd genannt, aber „natürlich“, begleitet von Tonkabohne und Ledernoten.
Wie rekonstruiert man die Mandel? (Moleküle und Natur)
Meistens fügt man dem sehr flüchtigen Benzaldehyd blumiges, pudriges, vanilliges und mandelartiges Heliotropin hinzu, sowie Tonkabohne, die balsamisch, vanillig und leicht mandelartig ist.
1. Das Benzaldehyd (Natürliche Mandel)
Um es herzustellen, geht man vom Inneren der Aprikosenkerne aus und führt eine Hydrodestillation (Wasserdampfdestillation) durch. Dies ermöglicht die Extraktion des Benzaldehyds. Das Ergebnis ergibt also dieses Produkt, das natürliches Benzaldehyd genannt wird.
Wenn Aprikosenbrand (Abricotine) hergestellt wird, verwendet man nur das Fruchtfleisch der Aprikose und der Kern wird weggeworfen. Es ist also eine neue Verwendung des Kerns, bei der man das Innere des Kerns zurückgewinnt, um es per Hydrodestillation zu verarbeiten.
2. Das Heliotropin
Eine weitere Mandelnote: das 1869 entdeckte Heliotropin, das zum ersten Mal in Après L’Ondée, dann in L’Heure Bleue und 100 Jahre später in L’Heure de Nuit (exklusiv) verwendet wurde.
Es ist ein Molekül, das ich liebe, das aber nicht so gut ist wie der natürliche Duft der Heliotrop-Blume (Vanilleblume): diese kleine magische Blume, die ein wenig dem Veilchen ähnelt (man findet sie bei guten Gärtnern) mit dem zarten Duft von Vanille und Reispuder. Aber leider gibt diese Blume ihre Seele nicht preis! Glücklicherweise kam das Heliotropin den Parfümeuren zur Hilfe.
Emile Zola: „Sie durchquerten Resedafelder, die ihnen bis zu den Knien reichten, wie ein wahres Parfum. Neben ihnen ein Feld aus Heliotropen, mit einem Hauch so süß nach Vanille, dass er dem Wind wie eine Liebkosung aus Samt erschien“.
3. Der Anisaldehyd und das Amandolen
Bei den leicht mandelartigen Noten kann man auch den Anisaldehyd in Betracht ziehen, der eher in der Kopfnote wirkt als das Heliotrop und es somit im Herzen der Formel verlängert. Er wurde auch zum ersten Mal in Après L’Ondée verwendet. Und schließlich: das Amandolen von Firmenich, das eine mandelartige, recht blumige und wirklich interessante Note hat.
4. Die Tonkabohne und das Cumarin
Und schließlich die Tonkabohne, eine sehr reiche Note mit ihren vielfältigen mandelartigen, tabakartigen, holzigen Facetten und der Lebkuchen-Facette. Das vorhandene Cumarin (in der Tonkabohne und synthetisiert), entdeckt 1868, ist die wahre „Seele“ der Tonkabohne und wurde ebenfalls erstmals von Guerlain in Jicky im Jahr 1889 verwendet. Die Tonkabohne ist ein Material, das ich in einem kompletten Beitrag auf meinem Blog behandelt habe.
Die Mandel in den Kollektionen von Sylvaine Delacourte
- Sie ist mit natürlicher Mandel in Vangelis aus der Vanille-Kollektion präsent.
- Die natürliche Mandelnote ist sehr präsent im Auftakt von Florentina aus der Moschus-Kollektion, als Kopfnote, gefolgt von einer Schar pudriger Blumen: Mimose, Heliotrop, Veilchen und Iriswurzel. Die Vetiver-Note durchzieht den Duft und verleiht ihm seine Vibration.
Die Tugenden der Mandel (Gesundheit)
Und wenn wir über ihre Tugenden sprächen? Die Mandel ist sehr reich an Vitamin E, Mineralien und Spurenelementen.
- Die Mandel ist eine alkalisierende, sehr nahrhafte, energetische und remineralisierende Frucht. Diese Frucht ist frei von Cholesterin, reich an Phytosterinen und pflanzlichen Proteinen.
- Wohltuend für Brust, Lunge, Magen und Darm. Sie besitzt darmantiseptische Eigenschaften. Sie wirkt allen unerwünschten Gärungsprozessen entgegen.
- Förderlich für ein gutes nervliches Gleichgewicht. Ihr Reichtum an assimilierbarem Magnesium und Phosphor macht sie zu einem ausgezeichneten Tonikum für unser Nervensystem.
- Dank ihres hohen Calciumgehalts ist sie hervorragend für die Knochengesundheit.